Lippes lebendige Vielfalt – Kreis legt Biodiversitätsstrategie vor

Schwarzstorch, Uhu und Wildkatze: In Lippe haben sich dank verschiedenster Anstrengungen bereits ausgerottete Arten wieder angesiedelt. Die Erfolge zeigen, dass die Region vielfältige Lebensräume bietet, die geschützt werden müssen und dass Artenschutz auf lokaler Ebene anfängt. Um dem fortschreitenden Artensterben entgegenzuwirken und die Artenvielfalt zu bewahren, legt der Kreis Lippe nun die Biodiversitätsstrategie „Lippes lebendige Vielfalt“ vor. Denn andere Arten wie die Ringelnatter oder der Feldsperling haben es schwer – auch in Lippe.

Das Werk nimmt die Ziele des Zukunftskonzepts Lippe 2025 auf, das ökologische Gleichgewicht sowie den Artenschutz zu sichern. „Indem wir unsere Umwelt schützen und Artenvielfalt fördern, fördern wir in erster Linie auch den Erhalt der Art ‚Mensch‘! Die Biodiversitätsstrategie soll eine Trendwende auf regionaler Ebene einläuten, zugleich aber auch Blaupause für andere Kommunen sein“, erklärt Landrat Dr. Axel Lehmann.

Präsentierten gemeinsam „Lippes Lebendige Vielfalt“ – die Biodiversitätsstrategie für den Kreis Lippe im Zukunftskonzept Lippe 2025: (v.l.) Daniel Telaar (Fachgebietsleiter Landschaft, Naturhaushalt Kreis Lippe), Jürgen Braunsdorf (Stabsstelle Biodiversität), Landrat Dr. Axel Lehmann, Dr. Ute Röder (Fachbereichsleiterin Umwelt und Energie). Foto: Kreis Lippe

Lippe als Hotspot der Artenvielfalt: 130 Ziele und Maßnahmen

Über 130 Ziele und Maßnahmen hat der Kreis für sich selbst festgelegt. So etwa die Neuschaffung von Lebensräumen: Unter anderem wird das Ansäen größerer Wiesenbereiche, die eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten darstellen, finanziell unterstützt. Mit den lippischen Kommunen ist die Fortsetzung des Bündnisses „Blühende Landschaft Lippe“ geplant, das vielerorts beispielhafte Blühzonen schafft. Zudem sollen durch geänderte Mährhythmen blütenreichere Straßen- und Wegränder ermöglicht werden. Amphibien profitieren von neu angelegten Kleingewässern. „Jeder kann mithelfen, Tier- und Pflanzenarten wieder mehr Refugien einzuräumen, oder aktiv in Naturschutzverbänden an Schutzprojekten mitarbeiten“, sagt Jürgen Braunsdorf, Stabstelle Biodiversität beim Kreis Lippe.

Zusätzlich dazu stehen zwei Hotspots der Biodiversität im Mittelpunkt der Strategie. Das Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald wird unter der Federführung des Kreises fortgeführt und perspektivisch zusammen mit dem Archäologischen Freilichtmuseum und Flächen der NRW Stiftung zum „Ur.Land“ erweitert. Ohnehin soll aus Sicht des Kreises die Senne ein Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere bleiben. Dafür bietet sich an, die Senne als „nationales Naturerbe“ über das Land beim Bund anzumelden.

An der Erarbeitung von „Lippes lebendige Vielfalt“ haben mehr als 60 Personen mitgewirkt. Den Startschuss gab Anfang 2018 die mit über 500 Teilnehmern abgehaltene 1. Lippische Artenschutzkonferenz. Neben Vertretern aus der Kreisverwaltung, der Kommunen und der Politik steuerten auch die Forst- und Landwirtschaft, Naturschutzverbände sowie weitere Verbände und Vereine ihre Fachkompetenz und Ideen bei. „Durch den breit angelegten Partizipationsprozess haben wir eine umfassende Strategie erstellt, die großen Rückhalt hat“, betont Dr. Ute Röder, Fachbereichsleiterin Energie und Umwelt. Der Maßnahmenkatalog ist in zwei Teile gegliedert: Teil A beinhaltet eigene Maßnahmen und Ziele sowie Anregungen von Dritten, die der Kreis innerhalb seiner Zuständigkeiten realisieren beziehungsweise unterstützen kann. In Teil B sind Vorhaben von beteiligten Dritten aufgelistet, die der Kreis nicht beschließen kann, deren Umsetzung er jedoch ausdrücklich begrüßt. Röder ergänzt: „Der große Vorteil des Konzeptes ist, dass wir es kontinuierlich fortschreiben und damit auf aktuelle Entwicklungen reagieren können.“

Auch künftig sollen die Partner, die an der Biodiversitätsstrategie mitwirkten, für den Erhalt der Artenvielfalt zusammenarbeiten. Der Kreis empfiehlt daher eine Verstetigung des Austausches. „Wir wollen ein Vorbild für andere Kreise und Städte sein und zeigen, dass eine gesunde Umwelt unwiderruflich mit einer lebenswerten Zukunft verbunden ist“, so Lehmann.

Die Biodiversitätsstrategie wurde am 14. November in den Umweltausschuss eingebracht und soll im Dezember im Kreistag beschlossen werden.